Ergonomisch gesundes Arbeiten im Stehen

Es ist nicht nur ein Thema des Homeoffice. Es ist ein Thema eines jeden Schreibtischtäters, der während der Arbeit zu viel sitzt oder zu lange in unbeweglicher oder falscher Ausrichtung seines Körpers verharrt. Mit der Zeit zieht das körperliche Konsequenzen nach sich, die sich in ernsthafte gesundheitliche Probleme verwandeln können. 

Das aber muss nicht sein. Mit der richtigen Strategie und einigen wenigen guten Maßnahmen lässt sich gesundes Arbeiten nahtlos in den Arbeitsalltag integrieren. Wie das gelingt, zeigen wir im folgenden Artikel. 

Risiken des Steharbeitplatzes

Die Gefahren des langen Sitzens sind hinlänglich bekannt. Sie werden als ebenso schädlich beschrieben wie das Rauchen. Schuld daran ist einerseits die Tatsache, dass entscheidende Bahnen der Blutzufuhr ab der Hüfte abwärts über Stunden unterbrochen werden. Andererseits verkürzt sich ein Teil der Muskulatur, weil wir uns kaum entgegen der Sitzhaltung bewegen.

Aber auch wer sich für einen Steharbeitsplatz entscheidet, agiert nicht notwendigerweise gesund. Studien haben ergeben, dass bereits 72 % der Befragten nach zwei Stunden des Arbeitens im Stehen über Schmerzen klagten. Das zeigt deutlich, das Arbeiten im Stehen nicht per se gesund ist. 

Stehen ist zwar etwas ganz Natürliches. Wird der Steharbeitsplatz jedoch falsch ausgerichtet oder die Stehposition über viele Stunden hindurch ausgeführt, so kommt es zu Schmerzen im unteren Rücken sowie der Lendenwirbelsäule. Die Folge sind ebenfalls wunde Füße, Schwellungen in den Unterschenkeln und Knöcheln sowie Krampfadern. Weitere häufige Beschwerden sind allgemeine Müdigkeit und Steifheit im Nacken sowie in den Schultern.

Diese potenziellen Gesundheitsgefahren sollte man sich ernsthaft vor Augen führen, denn sie führen im Laufe der Zeit zu chronischen Erkrankungen, darunter Herz- und Kreislauferkrankungen, Krampfadern, Rücken- und Gelenkschmerzen sowie Muskel- und Skeletterkrankungen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter können darüber hinaus Schwangerschaftskomplikationen auftreten.

Schuld daran sind fehlende Möglichkeiten, die eigenen Körperpositionen und -haltungen einzunehmen und sich frei zu bewegen, damit die beanspruchten Muskeln zwischendurch entspannen und sich wieder ausdehnen können. Bereits ca. fünf Stunden Arbeiten im Stehen können zu einer anhaltenden Muskelermüdung führen, die über das Ende der Arbeitszeit nachwirkt.

Die ideale Einrichtung beim Arbeiten im Stehen

Es tut folglich nie gut, den gesamten Arbeitstag in ein und derselben Körperhaltung zu verbringen – weder sitzend noch stehend. Deswegen sollte der Arbeitsplatz so flexibel wie möglich eingerichtet sein. Dann kann man sowohl im Stehen als auch im Sitzen arbeiten. Häufige Wechsel der Bewegung helfen Ermüdung zu vermeiden und Verspannungen vorzubeugen.

Stehend an einem höhenverstellbaren Schreibtisch ausgerichtet, kann man gut einen Schritt nach hinten machen und sich in einen Ausfallschritt begeben. Am besten ist es, wenn der Fuß am Boden gerade nach vorne zeigt. So entsteht ein leichter Zug im Bereich des Hüftbeugemuskels. Zusätzlich kann man nachhelfen, indem man das Becken nach vorne schiebt, um aus dem Hohlkreuz zu gelangen. In dieser Stellung könnte man täglich eine gewisse Zeit arbeiten. Natürlich auf beiden Seiten. 

Durch das lange Sitzen mit geschlossenen Beinen verkürzen sich auch die Innenmuskel der Oberschenkel. Um dem entgegenzuwirken, gibt es eine weitere Stellung, die sich am Schreibtisch nutzen lässt. Sie ist recht einfach einzunehmen und auch sie sollte täglich für ein paar Minuten eingenommen werden. Zum Arbeiten im Stehen nimmt man eine breitbeinige Haltung ein und dehnt abwechselnd mal die eine, mal die andere Seite. 

Nicht zuletzt lassen sich Rotationsbewegungen einbauen. Dafür stellt man sich seitlich an den höhenverstellbaren Schreibtisch und dreht sich oberhalb der Hüfte frontal zum Bildschirm. Das ist eine sehr gesunde Haltung beim Arbeiten im Stehen, die die ganzen queren und schrägen Bauch- und Rückenmuskeln zusätzlich dehnt. 

Wer die Beanspruchung der Muskulatur weiter steigern möchte, der nimmt sich einen Schreibtischstuhl zu Hilfe. Der sollten nach hinten gesichert werden, damit er nicht wegrutscht. Zum Arbeiten im Stehen stellt man ein Knie auf der Sitzfläche des Stuhls ab. Der Fuß zeigt nach oben Richtung Zimmerdecke. In dieser Haltung wird sowohl der Hüftbeuger als auch der Oberschenkelmuskel ausgiebig gestreckt. Nach einer gewissen Zeit kann das Bein gewechselt werden. 

Damit erreicht man mehr Beweglichkeit und der Körper wird es uns mit weniger Schmerzen und gesundheitlichen Problemen danken. Auf diese Weise lässt sich wunderbar und auf Dauer im Stehen arbeiten.

Nicolas Schultz