Homeoffice Ratgeber

PARADIES UND HERAUSFORDERUNG

Für viele Menschen ist das Arbeiten im Homeoffice (Arbeit 4.0) ein Traum. Der Traum vom selbstbestimmten Arbeiten, ohne lästigen Chef, ohne nervende Kollegen, die totale Freiheit ohne das zeitraubende, tägliche Pendeln zur Arbeit. Weniger Stress und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten.

Doch das Arbeiten zuhause stellt hohe Ansprüche an die Selbstdisziplin. Viele Ablenkungen locken in den eigenen vier Wänden. Zudem befürchten viele Arbeitnehmer, dass die Karriere durch das Arbeiten im Homeoffice leidet.

In den folgenden Abschnitten versuchen wir Ihnen wertvolle Tipps zur Einrichtung Ihres Homeoffice zu geben, möchten Sie aber auch auf die klassischen Stolpersteine hinweisen.

Was ist eigentlich ein Homeoffice?

Definition und Abgrenzung des Homeoffice:

„My home is my castle“ stimmt und so soll es auch bleiben. Nun arbeiten Sie aber in einem Unternehmen und möchten gerne einen Teil Ihrer Arbeitszeit von zuhause aus erledigen, dann haben Sie die Möglichkeit, sich ein Home-Office einzurichten. Dem muss jedoch Ihr Arbeitgeber zustimmen. Im Idealfall werden die Konditionen in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt.

Doch nicht jeder Mensch, der zuhause arbeitet, ist im Home Office. Viele Selbstständige oder freie Mitarbeiter arbeiten von zuhause aus auf Honorarbasis. Diese Arbeitsform wird in der Regel als Heimarbeit oder Heimarbeitsplatz bezeichnet.

Im Gegensatz zu den beiden bereits ausgeführten Arbeitsformen steht der Begriff Telearbeit für einen Arbeitsplatz außerhalb des Gebäudes des Arbeitgebers, zum Beispiel bei Kunden, in einem Coworking Space oder einfach in einem Café. Lediglich die Kommunikationsmittel wie Telefon/Handy und Laptop werden benötigt.

Inhalt

  • Homeoffice FAQs
  • Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice?
  • Kann mich mein Arbeitgeber zum Homeoffice zwingen?
  • Hat mein Chef ein Zutrittsrecht in mein Homeoffice?
  • Bin ich im Homeoffice versichert?
  • Wer trägt die Kosten für ein Homeoffice?
  • Gibt es eine Dokumentationspflicht für die Arbeitszeit im Homeoffice?
  • Gibt es Sonderregelungen für das Homeoffice?
  • Tipps für das Homeoffice
  • Tipp 1: Arbeitsplatz
  • Tipp 2: Arbeitsumfeld
  • Tipp 3: klare Regeln und Zeiten
  • Fazit

Homeoffice FAQs

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf das Homeoffice?
Nein – bisher gibt es in Deutschland keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Heimarbeitsplatz. Die sogenannten Telearbeitsplätze sind eine freiwillige Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Möglichkeit zur Heimarbeit bzw. die Einrichtung des Homeoffice kann im Arbeitsvertrag geregelt werden. Mit dieser vertraglichen Regelung hat dann der Arbeitnehmer Anspruch auf die festgelegten, wöchentlichen Arbeitsstunden im Homeoffice.

Kann mich mein Arbeitgeber zum Homeoffice zwingen?
Nein – auch hier müssen sich beide Parteien einig sein. Sollte vorübergehend oder auch für längere Zeit das Arbeiten von zuhause vom Arbeitgeber gewährt werden, entsteht hierdurch jedoch kein Anspruch für den Arbeitnehmer auf einen Homeoffice Arbeitsplatz.

Hat mein Chef ein Zutrittsrecht in mein Homeoffice?
Ja – er hat sogar aus Gründen des Arbeitsschutzes die gesetzliche Verpflichtung das Homeoffice auf mögliche Gefahrenquellen zu prüfen. Das Zutrittsrecht, die Ankündigungsfrist sowie eine berechtigte Arbeitsschutzperson sollten im Arbeitsvertrag festgelegt werden.

Für vorübergehend eingerichtete Home Office Arbeitsplätze bestehen keine Zutrittsansprüche seitens des Arbeitgebers.

Bin ich im Homeoffice versichert?
Ja – sollte ein Unfall unmittelbar mit der betriebsbedingten Tätigkeit zusammenhängen, d. h. der Unfall in Ausübung der im Arbeitsvertrag geregelten Homeoffice-Tätigkeit passiert sein. Alle haushaltsüblichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Teekochen, Einkaufen, Putzen oder der Weg zur Toilette sind nicht über die gesetzliche Unfallversicherung der Firma abgedeckt.

Wer trägt die Kosten für ein Homeoffice?
Wird ein Home Office Arbeitsplatz dauerhaft eingerichtet, sollten auch die Kosten für die technische Anbindung des Mitarbeiters im Arbeitsvertrag geregelt werden. Zum Beispiel kann der Laptop vom Arbeitgeber gestellt werden, Kosten für den Internetzugang sowie ein Teil der Miete übernommen werden, sollte dem Mitarbeiter in den Räumen des Arbeitgebers kein Arbeitsbereich zur Verfügung gestellt werden.

Hat ein Mitarbeiter einen separaten Raum seiner Wohnung für sein Home-Office abgetrennt, kann er die anteiligen Raumkosten von der Steuer absetzen.

Gibt es eine Dokumentationspflicht für die Arbeitszeit im Homeoffice?
Grundsätzlich gelten die im Arbeitsvertrag festgelegten Arbeitszeiten auch für das Home Office. Auf Verlangen des Arbeitgebers muss ein Mitarbeiter die im Homeoffice geleisteten Stunden dokumentieren, z. B. über Stundenzettel oder eine Anwesenheitsliste.

Legen Sie möglichst im Arbeitsvertrag klare Kernzeiten für das Home Office fest. Zu diesen Zeiten sollten Sie in der Regel erreichbar sein oder umgehend Ihren Chef und Kollegen zurückrufen. Mehr zur Dokumentation der Arbeitszeit im Home Office unter Tipp 3.

Gibt es Sonderregelungen für das Homeoffice?
Derzeit schon. Alle staatlichen Gesundheitsbehörden haben aufgrund der Coronakrise die Unternehmen angehalten, wenn möglich ihren Mitarbeitern Heimarbeitsplätze einzurichten. Für die Arbeitgeber gilt die sogenannte Fürsorgepflicht. Im Zweifel kann derzeit ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter nach Hause schicken, auch ohne dessen Zustimmung.

In diesem Fall haben allerdings weder der Arbeitgeber noch eine Institution (z. B. das Arbeitsamt) ein Anrecht auf Zutritt zum Homeoffice des Mitarbeiters.

Tipps für das Homeoffice

Tipp 1: Arbeitsplatz
Je deutlicher der Arbeitsplatz von dem Wohnbereich getrennt ist, desto besser. Arbeiten vom Bett oder der Couch aus ist zunächst zwar sehr verlockend, doch mit der Zeit eher kontraproduktiv.

Für einen professionellen Heimarbeitsplatz ist ein Schreibtisch, ein Bürostuhl und ein abschließbarer Stauraum (z. B. ein Rollcontainer) für Unterlagen erforderlich. Im Übrigen lässt die DSGVO grüßen, personenbezogene Daten müssen vor dem Zugriff Unberechtigter auch im Home Office geschützt sein!

Investieren Sie in professionelles Arbeitsmaterial. Ihr Computer oder Laptop sollten nicht an einem instabilen oder beschränkten Internetzugang scheitern. Möglicherweise ist ein guter Kopfhörer oder Headset hilfreich. In jedem Fall benötigen Sie ausreichend und reflexionsfreies Licht an Ihrem Heimarbeitsplatz.

Im Übrigen werden ergonomische Arbeitsplätze bzw. Möbel von diversen Kostenträgern gefördert. Mehr Informationen und Tipps hierzu erhalten Sie in unserem BLOG.

Tipp 2: Arbeitsumfeld
Gerade in Zeiten der Coronakrise arbeiten viele Menschen am neu geschaffenen Telearbeitsplatz in Ihrem Zuhause, häufig sogar beide Partner oder ganze Familien. Um so wichtiger ist es, eventuell mehrere ruhige, räumlich getrennte Arbeitsbereiche zu schaffen, sodass jeder seiner Tätigkeit nachgehen kann.

Sollte die Möglichkeit bestehen, den Arbeitsbereich durch eine mobile Trennwand oder gar durch eine Tür vom restlichen Wohnbereich abzutrennen, verdeutlicht das für alle anderen Mitbewohner, dass Sie in diesem Bereich arbeiten und nicht gestört werden möchten.

Gerade bei Familien mit Kindern und wenig Platz erfordert die Heimarbeit eine extreme Disziplin, Nerven aus Stahl und eine unfassbare Rücksichtnahme.

Tipp 3: klare Regeln und Zeiten
Schon für nur eine Person gilt es den unzähligen Verlockungen des Homeoffice tagtäglich zu widerstehen.

– Legen Sie daher die Arbeitszeiten, die Essenszeiten und die Ruhephasen fest.

– Trennen Sie deutlich zwischen Beruflichem und Privatem.

– Ziehen Sie sich normale Arbeitskleidung an.

– Starten Sie den Arbeitstag z. B. mit einem kurzen Spaziergang.

– Unterbrechen Sie Ihre festgelegte Arbeitszeit nicht durch Haushaltsarbeit, Einkäufe oder einen Besuch von Freunden.

– Schaffen Sie wöchentliche Tagesroutinen für Anrufe, Meetings, Ablage, Zielkontrollen

– Dokumentieren Sie Ihre Arbeitszeit für Ihren Arbeitgeber und Kollegen. Telefonieren Sie regelmäßig mit Ihren Kollegen oder bleiben über Mails auf dem Laufenden.

– Informieren Sie Kollegen für den Fall, dass Sie innerhalb Ihrer Arbeitszeit mal länger nicht erreichbar sein sollten, oder rufen schnellstmöglich zurück.

– Feiern Sie Ihren „Feierabend“ mit einem Ritual, z. B. mit einem Spaziergang durch einen Park.

– Lassen Sie den beruflichen Lapptop abends zu.

– Stimmen Sie sich ggf. mit Ihrem Partner ab, wann wer für die Familie zuständig ist.

Fazit

Nicht für jeden Menschen ist das Homeoffice die ideale Arbeitsform. Unternehmen mit klassischen Organisationsformen bieten eine Menge Möglichkeiten der Interaktion mit Kollegen. Der tägliche Austausch auf dem Weg zur Arbeit, im Empfangsbereich, bei den Kaffee- oder Mittagspausen oder in Meetings bietet viele Vorteile, die auch die perfekteste virtuelle Konferenz nicht ersetzen kann.

Daher ist sicher ein Mix aus teils klassischer Arbeit im Unternehmen und teils arbeiten im Home Office eine gesunde Mischung.

Sollten für Sie jedoch der tägliche und persönliche Austausch mit Kollegen nachrangig sein, Sie sich als äußerst pflichtbewusst und diszipliniert einschätzen und die liebe Selbstorganisation kein Thema für Sie sein, dann sind Sie möglicherweise der ideale Homeoffice-Typ.

In diesem Fall können Sie von den Vorteilen, die das Arbeiten im Home Office bietet profitieren:

– Zeitersparnis (Arbeitswege)

– Selbstbestimmung

– höhere Konzentration

– höhere Produktivität

– weniger Erkrankungen

– gesteigerte Zufriedenheit

Nicolas Schultz

ALL ARTICLES