10 Tipps für Homeoffice mit Kindern

Wir reden von Verschärfungen statt von Lockerungen. Wir rechnen in Monaten statt in Wochen. Wo immer möglich, soll die Arbeit im Homeoffice stattfinden. Seien wir ehrlich: Es wird noch eine Weile dauern, bis wir uns ein Stück vom alten Leben zurückholen können. Und auch wenn alle Maßnahmen gegriffen haben und wir uns wieder anderen Gedanken als dem permanenten Zuhause bleiben widmen können, wird das Homeoffice ein fester Bestandteil unserer zukünftigen Lebens bleiben. Auch weil die Erfahrungen des heimischen Arbeitens mit ein bisschen Organisation recht positiv ausfallen.

So kann das Arbeiten im Homeoffice eine Menge Chancen fürs Familienleben bieten. Beides lässt sich organischer miteinander vereinbaren und – je nach Alter und Anzahl der Kinder – flexibel gestalten. Damit das gelingen kann, stellt es alle Beteiligten vor einige Herausforderungen. Es ist nicht so, dass man das Unterfangen locker auf sich zukommen lassen kann. Das haben wir im ersten Lockdown gelernt. Aber nach wenigen, gut getroffenen Vorkehrungen und einer Zeit des Übens, kommt auch das heimische Familienunternehmen erfolgreich durch diese Zeit – und darüber hinaus.

Ausweglos ist sie nämlich mitnichten! Im Gegenteil, es kann zu einer intensiven familiären Phase werden, und wenn man es ein wenig bewusst in Angriff nimmt, leidet auch die Arbeit nicht darunter. Schon zehn Veränderungen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen, können das Leben im Homeoffice ultimativ erleichtern.

Homeoffice-Hack 1: Feste Strukturen im Alltag retten die Stimmung

Wer sich im ersten Lockdown von Tag zu Tag gehangelt hat, wird noch wissen, wie schnell die Situation im Chaos enden kann und sich die Atmosphäre zunehmend vergiftet hat. Nach relativ kurzer Zeit waren alle unzufrieden, die Nerven lagen blank und die kleinste Reizung führte zur Explosion. Die Lösung: Ein klar strukturierter Tag gibt allen Familienmitgliedern Sicherheit an die Hand. Jeder weiß genau, was wann passiert, wer wann arbeiten kann oder für die Kinder verantwortlich ist.

Es hilft – gerade in der ersten Zeit – einen Tagesplan nicht nur zu verkünden, sondern richtig aufzuschreiben und für alle einsehbar auszuhängen. Kinder sind kooperativer als man spontan denken mag. Sie benötigen nur die richtigen Instrumente an die Hand. Wird der Tag gemeinsam geplant, fühlen sie sich mit ins Boot genommen. Sie wissen, dass Papa morgens nicht gestört werden darf, aber am Nachmittag mit auf den Bolzplatz kommt, Mama bis zum Mittagessen übernimmt und anschließend ins Homeoffice verschwindet.

Homeoffice-Hack 2: Die Lerche hat unter der Woche den Vorrang

Die Verlockung ist groß, aber man sollte ihr widerstehen. Auch wenn die Kinder nicht in die Schule und die Eltern nicht ins Büro müssen, sollte man von Montag bis Freitag wie immer aufstehen und auch die morgendlichen Rituale einhalten. Spätestens um acht sollten sich alle Familienmitglieder, frisch geduscht und ohne Schlafanzug, zu einer kleinen Konferenz am großen Tisch einfinden. In einem zügigen Meeting sollten die anliegenden Aufgaben, besprochen und verteilt werden. Folgende Fragestellungen können hierbei hilfreich sein:

  • Was haben die Kinder im Homeschooling zu erledigen?
  • Welche Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es für kleinere Kinder?
  • Wie verhält sich das Kind bei Problemen (und platzt nicht in die Telefonkonferenz)?
  • Welches Elternteil ist wann für die Kinder verantwortlich?
  • Wie werden die begrenzten Arbeitsplätze aufgeteilt und eingerichtet?
  • Wie wird der Umgang mit Medien gehandhabt?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben im Haushalt?
  • Wann ist Bewegungszeit?
  • Zu welchen Zeiten wird gegessen?
  • Wann ist Feierabend?

Der Plan sollte die Woche über durchgehalten werden. Am Wochenende darf dann ausgeschlafen und gechillt werden. Herrlich! Wir hören dazu gerne entspannende Musik von Sitting Duck oder Effortless Audio (hier tuen wir sogar zugleich noch etwas Gutes für unsere Umwelt siehe BLOG).

Homeoffice-Hack 3: Im Wechsel liegt die Kraft

Abwechslung macht Kindern Freude und wird dem Umstand gerecht, dass sie mit der Zeit ermüden oder sich langweilen. Wenn sie dann wieder etwas anderes tun dürfen, sind sie neu motiviert. In altersentsprechenden Zeiteinheiten sollten sich verschiedene Phasen und Orte abwechseln. Im günstigsten Fall werden dabei sämtliche Bereiche abgedeckt. So sollten sich Lernzeit am Schreibtisch, kreatives Tun auf dem Teppich, Austoben im Garten und der Umgang mit Medien auf dem Sofa miteinander abwechseln.

Homeoffice-Hack 4: Kein Frust in der Lernzeit

Dabei hilft ein eigens eingerichteter Arbeitsplatz. Wenn alle am Lernen oder Arbeiten sind, sollte jeder seine Ruhe finden können. Im günstigsten Fall sitzt jeder an seinem eigenen Schreibtisch. Sitzen nämlich vom Kleinkind bis zum Abiturienten alle am Küchentisch, kann sich keiner auf seine Aufgaben konzentrieren.

Sind nicht so viele Arbeitsplätze vorhanden wie benötigt, ist ein Wechselbetrieb hilfreich. Jeder darf eine bestimmte Zeit am Schreibtisch arbeiten und sich dort einrichten. Aus diesem Grund bietet sich ein höhenverstellbarer Schreibtisch sowie Bürostuhl an. So lässt sich der Arbeitsplatz für die individuellen Bedürfnisse ohne großen Aufwand anpassen. Individuelle Höhen lassen sich in einem guten Schreibtisch nämlich einspeichern.

Zu einem gelungenen Wechselbetrieb gehört auch mindestens ein Gymnastikball. Der kann an den verschiedenen Arbeitsplätzen zum Einsatz kommen, wenn dringend Bewegung Not tut oder die Wirbelsäule aufgelockert werden muss.

Homeoffice-Hack 5: Ordnung ist das halbe Homeoffice

Es liegt schon fast auf der Hand: Nur an einem gut aufgeräumten Arbeitsplatz lässt es sich konzentriert arbeiten. Das gilt für Groß und Klein. Jede Beschäftigung hat ihre Örtlichkeit. Aus diesem Grund sollte man zu Beginn seiner „Schreibtisch-Zeit“ nicht auf das Chaos des Vorgängers treffen.

Wer also an einem anderen Schreibtisch gelernt oder gearbeitet hat, verlässt ihn so wie er ihn vorgefunden hat. Wer in der Spielecke unterwegs ist, räumt sie am Ende wieder auf und auch die Mahlzeiten werden erst abgeräumt, bevor es weiter geht. Das hilft, insgesamt eine Ordnung einzuhalten, in der sich jeder gut aufgehoben fühlt.

Homeoffice-Hack 6: Eine flexible Mannschaftsaufstellung

Jeder hat eine andere Ausgangslage: unterschiedliche örtliche Gegebenheiten, Kinder unterschiedlichen Alters und Temperaments sowie differenzierte Anforderungen in Arbeit und Schule. Aus diesem Grund muss jeder Homeoffice-Betrieb die Rahmenbedingungen auf die individuellen Bedürfnisse abstecken. Hat man z. B. noch kleinere Kinder, die ihre Homeschooling-Aufgaben nicht allein bewältigen können, sollte man für den Arbeitsbereich vielleicht eher einen großen Konferenz- oder Mehrzwecktisch einplanen, an dem man für die ein oder andere Frage zur Verfügung steht. An dem gelten dann feste Arbeits- und Kommunikationsregeln.

Hat man den Platz nicht und muss sich als Eltern einen Schreibtisch teilen ist es von enormem Vorteil, wenn jeder einen Materialschrank oder -fach hat, in dem er seine Arbeitsmaterialen sicher verstauen kann. Oder man richtet sich in einem Raum einen Doppelschreibtisch ein, an dem man in mehreren Schichten arbeiten und lernen kann. Je flexibler man sich aufstellt, umso besser kann man sich auf die einzelnen Herausforderungen einstellen.

Homeoffice-Hack 7: Ablenkung raus

Es geht den Großen wie den Kleinen gleich. Steht das ganze Zimmer voller Spielzeug, elektronischen Geräten oder Essen, kann man sich nicht auf den eigentlichen Job/Hausaufgaben konzentrieren. Aus diesem Grund muss alles vom Arbeits- oder Schreibtisch weg, was ablenkt. Auch hier lohnt ein kleines Innehalten zu Beginn mit der Überlegung, was man in den kommenden Stunden benötigt. Der Rest kommt weg. Allein oder gemeinsam richtet man sich den Arbeitsplatz ein, stellt sich eine dampfende Tasse Tee oder eine heiße Schokolade auf den Tisch, aktiviert die chillige Arbeitsmusik und schon ist man im Arbeitsmodus.

Homeoffice-Hack 8: Motivation ist alles

Und die schafft man durch Anreize. Ein Homeoffice-Tag ist für alle anstrengend, wenn sie aber etwas haben, worauf sie sich freuen können, dann lässt sich vieles motivierter angehen: Man kann also herrliche Ausflüge fürs Wochenende planen, einen heimischen Kinoabend mit Popcorn in Aussicht stellen oder Mediengutscheine einführen. Die lassen sich einfach und schnell am eigenen Schreibtisch herstellen und motivieren alle, vom Kleinkind bis zum Teenie.

Die zeitlich limitierten Gutscheine können durch besondere Leistungen im Homeoffice erworben werden, z. B. wenn das Kind die Lernzeit am gemeinsamen Tisch konzentriert, leise und selbstständig bewältigt hat. Auf diese Weise sind die Kinder doppelt beschäftigt, wenn sie sich die Gutscheine verdienen und wenn sie sie wieder einlösen. Man gibt Kindern so eine gute Möglichkeit an die Hand, sich ein bisschen Medienzeit dazu zu verdienen und ist in der Lage, Medienzeit auf altersentsprechende Weise zu regeln.

Homeoffice-Hack 9: Heilige den Feierabend

Gerade wenn Arbeit und Privatleben in den eigenen vier Wänden Einzug gehalten haben, ist es wichtig, das eine vom anderen zu trennen. So sollte es auf jeden Fall, wie in normalen Bürozeiten auch, einen klaren Feierabend geben. Vielleicht lässt sich ein akustisches Signal einführen, das um 18 Uhr den Feierabend einläutet. Danach sollte nichts Wesentliches mehr für die Arbeit getan werden müssen. Erholung von Schule, Arbeit und Alltag darf nun angesagt sein.

Auch hier können Rituale hilfreich sein. Jeder räumt seinen Arbeitsplatz endgültig auf oder man versammelt sich zum Ende hin nochmal am großen Tisch und resümiert den Tag. Eine Runde um den Block kann genauso hilfreich sein, wie das Lesen der Tageszeitung. Die Tür zum Arbeitszimmer darf nun gerne verschlossen werden. Sämtliche Hinweise, die in Küche oder Wohnzimmer auf das Arbeiten hindeuten, sollten ebenfalls verräumt werden.

Homeoffice-Hack 10: Strenge ist jetzt kein guter Berater

Tage im Homeoffice verlangen allen Beteiligten viel ab. Sie sind anstrengend, weil sie Geduld, Multitasking und Toleranz erfordern. Aus diesem Grund darf man auch mal die Fünf gerade sein lassen und Geduld mit allen Beteiligten haben. Aber ähnlich wie im Büro (vor Ort) kann man sich auch im Homeoffice gut einrichten und immer mal wieder an Stellschrauben drehen, um die Effizienz zu verbessern.

Der Tagesplan hilft als Struktur gut durch den Tag, sollte jedoch nur eine Stütze betrachtet und nicht sklavisch abgearbeitet werden. Hapert es mal bei den Mathe-Hausaufgaben, sollte man sie lieber auf den nächsten Tag verschieben, anstatt sich daran aufzureiben. Und muss man doch mal Überstunden machen, weil um 20 Uhr abends endlich mal Ruhe am eigenen Schreibtisch herrscht und man sich einfach auf etwas Kniffliges konzentrieren möchte, sollte man sich nicht an den festgenagelten Feierabend halten.

Was immer hilft, ist sich regelmäßig, wie in einer Konferenz am großen Tisch zu treffen und sich auszutauschen. Auf diese Weise kann jeder mitteilen, was gut für ihn läuft und welche Änderungen er sich wünscht. Häufig merkt man erst mit der Zeit, was die einzelnen Mitglieder brauchen, um erfolgreich im Homeoffice arbeiten zu können.

Auch unabhängig von der Pandemie lohnt sich die Auseinandersetzung mit dem Homeoffice, denn jeder Zweite könnte sich auch danach vorstellen, zumindest zeitweise von Zuhause zu arbeiten. Dann wird es auch wieder leichter, denn die Kinder werden mit Sicherheit gerne zurück in Schule oder Kindergarten stürmen.

Fazit

Corona ist für uns alle eine extreme Herausforderung und Chance zugleich. Wann haben Eltern weltweit schon einmal die Möglichkeit gehabt, die Erziehung ihrer Kinder rund um die Uhr zu steuern. Wir arbeiten uns tiefer in den Lernplan der Schulen ein denn je – möglicherweise auch tiefer als uns lieb ist – doch können wir so auch direkt unseren Kindern unsere Sicht auf den Lehrstoff vermitteln, unser Wertesystem.

Entstehende Probleme können zunächst im kleinsten Kreis – der Familie – diskutiert werden und später tauschen sich unsere Kinder mit Freunden und Lehrern aus. Das schafft ganz nebenbei eine neue Diskussionsqualität innerhalb der Familie und kann auch „die Großen“ zu neuen Denkansätzen führen, zum Beispiel bei der Aufgabenverteilung im Haushalt/unserem Rollenverständnis.

In diesem Sinne: Genießen Sie Ihr Homeoffice mit all seinen Möglichkeiten.

Nicolas Schultz